Categories
Allgemein

Integration gestalten und Perspektiven schaffen: UNITE-Abschlussevent in Wien

Ziel war die nachhaltige Arbeitsmarktintegration und soziale Teilhabe ukrainischer Vertriebener – erreicht durch eine Kombination aus individuellem Mentoring, Coaching, Berufsorientierung, Sprach- und Kompetenzentwicklung, Job-Matching sowie sozialen Lern- und Unterstützungsangeboten.

Ein Thema, das weit über ein Land hinausreicht
Die Herausforderung ist kein nationales, sondern ein europäisches Thema: UNITE wurde nicht nur in Österreich, sondern parallel auch in Schweden, Deutschland und Polen pilotiert – vier Länder, ein gemeinsamer Lernprozess. Dahinter steht eine Realität, die viele europäische Gesellschaften betrifft: Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung bringen oft hohe Qualifikationen mit, können sie im neuen Land aber nur schwer einsetzen. Gelungene Integration ist deshalb weit mehr als eine individuelle Erfolgsgeschichte – sie entscheidet mit darüber, wie Arbeitsmärkte, Unternehmen und der gesellschaftliche Zusammenhalt insgesamt von vorhandenem Potenzial profitieren können. Projekte wie UNITE liefern dafür erprobte Ansätze und übertragbare Erfahrungen für künftige Integrationsmaßnahmen.

Beim Abschlussevent am 24. September im TOP-Lokal in Wien kamen Teilnehmende, Projektpartner:innen, Stakeholder und Interessierte zusammen, um auf die österreichische Pilotphase zurückzublicken – und um gemeinsam zu diskutieren, welche Faktoren Integration tatsächlich gelingen lassen.

Persönliche Erfahrungen im Mittelpunkt
Im Zentrum des Abends standen nicht Zahlen, sondern Menschen – und ihre höchst unterschiedlichen Wege. Die Veranstaltung machte deutlich: Kein Integrationsweg gleicht dem anderen, und erfolgreiche Unterstützung muss immer an den persönlichen Bedürfnissen, Qualifikationen und Lebenssituationen der Einzelnen ansetzen.

Einen wissenschaftlichen Blick auf ein zentrales Thema brachte Yelyzaveta Bendiuh von der Central European University (CEU) ein. Ihre Masterarbeit “Does German Language Proficiency Affect the Employment Outcomes of Ukrainian Refugees in Austria?” bestätigte empirisch, was die Projektpraxis täglich zeigt: Deutschkenntnisse sind oft der entscheidende Hebel für den Zugang zu qualifikationsadäquater Beschäftigung.

Besonders eindrucksvoll waren die persönlichen Einblicke von Tetiana Surovets, Finanzexpertin und ehemalige Chefökonomin der ukrainischen Zentralbank. Sie schilderte ihr Ankommen in Österreich, kulturelle Unterschiede sowie Chancen und Hürden beim Einstieg in den österreichischen Arbeitsmarkt – ein lebendiges Beispiel dafür, wie viel fachliches Potenzial mit einer Flucht verloren zu gehen droht, wenn es nicht gezielt sichtbar gemacht wird.

Eine kreative Perspektive brachte Maria Yavonenko ein: In einer digitalen Werkschau präsentierte sie Arbeiten aus Collage, Mixed Media und 2D-Animation und zeigte damit ihren ganz eigenen, künstlerischen Weg ihrer Karriere.

Austausch, Vernetzung, gemeinsame Lernerfahrungen
Durch das Programm führte Hanna Poliakova, erfahrene Moderatorin und Social-Media-Expertin, die die Beiträge miteinander verband und den Dialog zwischen den Gästen förderte. Die österreichischen Projektpartner teilten zentrale Erkenntnisse aus der Pilotphase: Insbesondere die Kombination aus individueller Begleitung, Kompetenzentwicklung, sozialem Austausch und praxisnaher Unterstützung erwies sich als wirksamer Hebel für nachhaltige Integration. Erfolgreiche Integration bedeutet weit mehr als Jobvermittlung. Sie umfasst den Aufbau von Perspektiven, die Anerkennung vorhandener Kompetenzen, Zugang zu Sprache und Bildung – und die Möglichkeit, gesellschaftlich wirklich anzukommen. Genau hier setzte UNITE an.


Beim anschließenden Networking nutzten die Gäste die Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und über künftige Zusammenarbeit in Integration, Bildung und Beschäftigung zu sprechen.


Die Erfahrungen aus Wien, Stockholm, Berlin und Warschau liefern damit wertvolle Impulse für eine Frage, die europäische Gesellschaften auch über dieses Projekt hinaus beschäftigen wird: Wie lässt sich Integration so gestalten, dass Menschen ihre Potenziale entfalten – und gleichzeitig zur Gesellschaft beitragen können?